Pressespiegel
Klangschön ausgesungene Bögen
30.12.2012, Münster
Es ist schon ungewohnt, das Weihnachtsoratorium erst nach den Feiertagen zu hören - und dazu nicht mit dem
gewohnten Festjubel empfangen zu werden. Keine Pauken und Trompeten, kein „Jauchzet, frohlocket“. Ehrfürchtig und
klangvoll eröffnet der Kammerchor Münster unter Hermann Kreutz - denn es werden die Kantaten vier bis sechs aufgeführt,
an denen sich der Weihnachtsbetrieb meist vorbeimogelt. Schon Albert Schweitzer war einst gegen komplette Aufführungen -
aus Sorge, dass „der ermüdete Hörer die Schönheiten des zweiten Teils nicht mehr zu fassen vermag“. So wird er ihm heute
meist ganz vorenthalten ... Den vollständigen Artikel finden Sie
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Westfälische Nachrichten, - 30.12.2012, Arndt Zinkant
Singspiel mit eindringlichen Texten
29.03.2011, Münster-Roxel
30 Meter lang und zwei Meter hoch war die Darstellung des imposanten Totentanzes, der seit dem
15. Jahrhundert die Gläubigen in der Marienkirche zu Lübeck bei der Beichte begleitete. Auf dem Kunstwerk rafft der
personifizierte Tod in Form eines kraftvoll voranschreitenden Skeletts vom lebensgroß gemalten Kaiser bis zum Kind in der
Wiege systematisch und zuverlässig alle hin. Anfang des 18. Jahrhunderts komplett durch eine Kopie ersetzt, denn das Original
war in schlechtem Zustand, hing der Totentanz dort bis zu seiner Zerstörung während eines Luftangriffes 1942.
Dieser gemalte Totentanz inspirierte Hugo Distler zu seinem musikalischen „Totentanz“ (1934), einer Art szenischen Singspiels
mit eindringlichen Texten, nur manchmal von schlichten Flötenpassagen unterbrochen. Der Kammerchor Münster brachte das Werk
in der Roxeler Pfarrkirche zu Gehör. Das Ensemble sang die 14 Sprüche des „Totentanzes“ sauber und eindringlich, ...
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Westfälische Nachrichten, - 29.03.2011, Heike Eickhoff
Feiner Reigen blasser Geister
27.03.2011, Münster
Münster - Wenn „Freund Hein“ zum Totentanz bittet, sind alle gleich: Ob Bauer oder Edelmann, Kaiser oder Klausner, Kind
oder Greis. Alle reihen sich ein in den Reigen blasser Geister, da nützt kein Feilschen und kein Flehen, kein Ach und kein
Weh. Unbarmherzig nimmt der weißgeschminkte Gevatter (Jochen Pickerott) sie bei der Hand und führt sie hinfort, worauf der
Chor in aphoristischer Kürze jedem sein „Memento mori“ hinterhersingt. In ausdrucksstarken, teils mittelalterlich
anmutenden Gesangslinien, die Hugo Distler (1908-1942) komponierte. Der gut aufgelegte Kammerchor Münster unter
Hermann Kreutz faszinierte mit dem ungewöhnlichen Werk in der Erphokirche. ...
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Westfälische Nachrichten, - 27.03.2011,
Arndt Zinkant
Ein Garant für gute Konzerte
29.12.2010, Münster
Münster - Dieser Chor ist ein Garant für gute Konzerte. Hermann Kreutz legte mit dem Kammerchor Münster am
Dienstag wieder in gewohnter Weise die Messlatte für nicht professionelle Chormusik ziemlich hoch. Immer die Stärken des
Chores unterstreichend und geschickt ein paar Schwachpunkte wegnehmend, so lässt Kreutz seinen Kammerchor Jahr um Jahr tolle
Konzert singen.
Unterstützt von drei Gesangssolisten und von drei Instrumentalisten gab es überwiegend Chorklang pur. Der Chor hielt es dabei
aber meist besinnlich - so gab es weder die ganz großen Lautstärken noch rasante Tempi. Nur am Ende, im „Magnificat“ von
Richard Bartmuß, einem echt romantischen Satz für zwei vierstimmige Chöre (nebenbei: Klar lief auch hier alles sauber und
elegant wie gewohnt) durften die Sängerinnen und Sänger einmal so richtig aufmachen und ließen erahnen, welche schiere
Sangesfreude ...
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Westfälische Nachrichten, - 29.12.2010,
Heike Eickhoff
Die düsteren Töne kommen von Herodes
30.12.2010, Münster
Konzert: Chormusik in der Erphokirche
Herodes gehört zu den unrühmlichen Personen der Bibel, wobei sich seine
Rolle dort auf wenige Schreckensmomente beschränkt. "Die Epiphaniasgeschichte" von Hans-Jürgen Iskraut, die im Zentrum des
Konzerts "Weihnachtliche Chormusik" mit dem Kammerchor Münster unter Hermann Kreutz in der Erphokirche stand,...
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Münstersche Zeitung, - 29.12.2010,
Günter Moseler
Innige Klänge zu Lasker-Schülers Lyrik
6./7.11.2010, Münster und Rheda-Wiedenbrück
Münster - Es ist selten, dass ein geistliches Chorkonzert bereits nach den ersten Stücken mit Beifall bedacht wird.
Und ganz ungewöhnlich, wenn der Applaus vom Ensemble selbst kommt.
Doch nicht der eigenen Kunst galt
der Zuspruch des Kammerchors Münster in der St-Joseph-Kirche, sondern dem anwesenden Komponisten Hinrich Luchterhandt.
Der zeigte sich hocherfreut über die makellose Uraufführung zwei seiner Stücke, die der Altistin Ingeborg Danz gewidmet waren.
Im „Gebet“, komponiert auf ein Gedicht von Else Lasker-Schüler, steht der Solopart im Mittelpunkt, den die Sängerin mit der
orgelhaften, gleichwohl nuanciert geführten Fülle ihrer Stimme ausfüllte. Zu Lasker-Schülers Gedicht hat der 82-Jährige eine
innige Musik komponiert, die den Chor differenziert von der Ein- bis zur Vierstimmigkeit einsetzt und äußerliche Effekte scheut.
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Münstersche Zeitung, Die GLocke - 10.11.2010,
Matthias Gans
Rossinis kleine Messe ganz groß
03.07.2010, Erphokirche, Münster
Konzert: Fantastischer Kreutzchor Die schönsten Messen klingen wie Opern. Zur Kunst der
Interpreten gehört es, sie dennoch wie Messen klingen zu lassen. Die liturgische Intention ist auch dann vorrangig, wenn die
Messetexte sich in weltlicher Leidenschaft schier verausgaben. Gioacchino Rossini gehört zu den Sonnenkönigen der Oper, ...
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Münstersche Zeitung 05.07.2010,
Günter Moseler
Ein Werk heiterer Feierlichkeit
03.07.2010, Erphokirche, Münster
Kammerchor präsentiert Rossini-Messe - „Sahnehäubchen“ dieses Fußballtages wurde die Petite Messe Solennelle in der Begrüßung genannt.
Doch natürlich strömten am Samstagabend keine Massen euphorischer Fans im Siegestaumel in die Erphokirche, um Rossinis Musik
zu lauschen (die sich in ihrem oft beschwingten Gestus gar nicht so schlecht gefügt hätte); einige Kirchenbänke blieben leer.
Doch die Anwesenden wussten das Konzert zu schätzen. Hermann Kreutz und sein Kammerchor Münster wurden am Ende zu Recht mit
Standing Ovations gefeiert. ...
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Westfälische Nachrichten 05.07.2010,
Arndt Zinkant
Durch sternklare Himmelshöhen
20.12.2009, Erphokirche, Münster
Münster - Konzert: Hermann Kreutz
dirigiert Bachs "Magnificat" Weihnachtsschnee
fiel, so regelmäßig wie
in einer alten Glaskugel. Schnee lässt Gedanken schweifen, jede von
Schnee bedeckte Welt scheint vor einem Neuanfang zu stehen.
Auch alle große Musik scheint große Ereignisse zu garantieren,
besonders an hohen Kirchenfesten - wenn Johann Sebastian
Bach die autoritäre Feder führte. ...
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Münstersche Zeitung 22.12.2009,
Günter Moseler
Kraftvoll bis zum "Gloria"
20.12.2009, Erphokirche, Münster
Münster - Kammerchor sang Bachs
Magnificat Imposant startete der Kammerchor Münster in
Johann Sebastian
Bachs Magnificat (BWV 243). Und weil das Christkind vor der Tür steht,
hatte der Kammerchor Bachs zweite, etwas größer
angelegte Version des Magnificats mit den zusätzlichen vier
weihnachtlichen Einlagesätzen rausgesucht. Ein schönes Stück Musik
in gewohnt schlanker, sicherer und eleganter Manier rübergebracht. ...
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Westfälische Nachrichetn,
22.12.2009, Heike Eickhoffs
Leuchtend wie ein Fixstern
21.11.2009, Liebfrauen-Überwasserkirche, Münster
Münster - Kreutz-Chor besang den
Glauben Nirgends scheint der Glaube besser aufgehoben als
in der Musik.
Dort verwandelt sich noch der leiseste Zweifel in aufklärerische
Qualität. Der Kammerchor Münster unter seinem langjährigen
Leiter Herman Kreutz bot am Samstag in der Überwasserkirche ein
Programm, das dem Glaubensklima vom Dreißigjährien Krieg bis
zur Moderne folgte. ...
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Münstersche Zeitung 23.11.2009,
Günter Moseler
Chorklang mit Seele
22.11.2009, St.-Clemens-Kirche, Rheda-Wiedenbrück
Rheda-Wiedenbrück - Ein sinnfällig zusammengstelltes Programm und
sorgfältige Vorbereitung sind Kennzeichen eines
jeden guten Chores. Kommt dazu noch jener nicht zu kalkulierende Moment
der Inspiration, dann kann es gut sein einem
Konzert des Kammerchores Münster gelauscht zu haben. Unter der Leitung
seines Gründers Hermann Kreutz singt diese Ensemble
seit 35 Jahren anspruchsvolle Werke der Musica sacra. ...
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Die Glocke, Neue Westfälische
24.11.2009, Matthias Gans
Sanfter Jubel und innere Freude
28.06.2009, Erphokirche,Münster
Münster - Im Juli reist er wieder nach Polen, als musikalischer Botschafter -
zum zweiten Mal in diesem Jahr. Doch zuvor präsentierte sich der Kammerchor Münster
unter der Leitung von Hermann Kreutz am Sonntagabend noch einmal dem Publikum in der Erphokirche.
Das dankte den über 40 Sängerinnen und Sängern, der fantastischen Organistin Christiane Alt-Epping
und dem virtuosen jungen Kontrabassisten Matthias Solle am Ende mit stehenden Ovationen.
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Westfälische Nachrichten,
30.03.2009, Heike Eickhoff
Bach-Kompositionen stehen im Mittelpunkt des Konzerts
27.06.2009, Laurentiuskirche, Warendorf
Warendorf "Duld ich schon hier Spott
und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu meine Freude":
In ergreifender Innigkeit erklang der Schlusssatz aus Johann Sebastian
Bachs Motette BWV 227, mit der der Kammerchor
Münster am Samstagabend in der Pfarrkirche St. Laurentius sein
anspruchsvolles Progarmm geistlicher Chormusik beendete.
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Die Glocke, 30.06.2009, Dr. Ulrich
Gehre
Niemand ist allein auf der Welt
28.03.2009, Erphokirche,Münster
Die Passions- oder Fastenzeit geht im hektischen Alltag oft unter. Der
Kammerchor Münster sorgte am Samstagabend
in der gut gefüllten Erphokirche für ein innehalten, für ein
Bewusstwerden der besinnlichen Stimmung in der
vorösterlichen Zeit. Gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester
Koszalin aus Polen führte er die Johannespassion
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Münstersche Zeitung, 31.03.2009,
Peter Sauer
Volkes Zorn und trauernde Gemeinde
28.03.2009, Erphokirche,Münster
Kammerchor Münster mit erstklassiger
Deutung von Bachs Johannespassion
Schlichtweg erstklassig interpretierte der Kammerchor Münster Bachs
Johannespassion am Samstagabend
in der Erphokirche. Hermann Kreutz, der Leiter des engagierten Chores,
wählte fließende Tempi und ließ
die Spannung der großartigen Musik ...
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Westfälische Nachrichten,
30.03.2009, Heike Eickhoff
2008
Zwei Chöre für den einen Schönklang
28.12.2008, Erphokirche,Münster
Münster - Die kurze Zeit zwischen den
Jahren: Die Weihnachtsgeschenke sind ausgepackt, der Braten verspeist,
der Stress verflogen. Man kann innehalten - und sich nochmals auf die
frohe Weihnachtsbotschaft einlassen,
wie Johann Sebastian Bach sie in Töne setzte. Dazu waren viele
gestimmt, das zeigte die berstend volle Erphokirche
am Sonntagabend. Allen voran Chorleiter Hermann Kreutz selber, der das
Weihnachtsoratorium (Kantaten I-III) als besinnliche Erzählung
anlegte, als ruhigen Kontrapunkt zum oft so hektischen Advent.
Also kein pompöses "Jauchzet, frohlocket!", das die Kunde von Jesu
Geburt mit Pauken und
Trompeten in die Welt hinaus schmettert. Kreutz führt
seine zwei Chöre, den Kammerchor Münster und den Kammerchor der
Volkshochschule, meist an der
kurzen Leine, wacht über den Schönklang und versagt sich dynamische
Ausbrüche, die diesen gefährden
könnten. Davon profitieren stets die Choräle, die sich erhaben und
wunderbar schlicht im
Kirchenraum entfalten: "Wie soll ich dich
empfangen" verfehlte seine innige Wirkung nicht.
Schön.
Doch ist diese Lesart zu konsequent durchgehalten, so dass
Kreutz milder Kerzenschimmer kaum einmal auflodert.
Die Hirtenmusik fließt dem „Orchester con
variatione“ denn auch mehr behäbig als idyllisch aus
den Bögen.
Und wenn Bach mächtig auf die Pauke haut, darfs ein
Temperaments-Bolzen wie Ralf Bachmann mit seinen Schlägeln
noch lange nicht.
Zwei brechen aus dem meditativen Mezzoforte aus: Trompeter
Gerd Radeke, der sich keineswegs als Begleiter sieht, als die
große Bass-Arie „Großer Herr und starker
König“ erklingt. So frisch und humorig Sebastian Noack auch singt - das
Stück gehört
der Trompete.
Fast wie ein Trompeter zeigt sich auch der Tenor Andreas Post
als Evangelist. Mühelos füllt seine klare Stimme den
Raum. Mag sein Gesang auch eine Spur zu
keck daherkommen („Frohe Hirten, eilt, ach eilet“)
- dem Ohr ist das höchst willkommen.
Monika Eders Sopran klingt fragil, aber schwelgerisch. Und Altistin
Annekathrin Laabs widersteht mit noblem Vortrag der Versuchung, ihr
Glanzstück „Schlafe, mein Liebster“ zu
verzuckern.
Das Publikum zollte den Interpreten langen, respektvollen
Beifall, insbesondere dem 77-jährigen Hermann Kreutz.
Dieser erfahrene Musiker weiß einfach, wie man sakrale
Stimmung evoziert und lange Chorbögen innig phrasiert.
Das bewies der Schlusschoral an diesem Abend aufs Schönste.
Westfälische Nachrichten,
29.12.2008, Arndt Zinkant
Eine Antenne für die Gestaltung eines jeden
Tones
23.11.2008, St.-Clemenskirche, Rheda - Wiedenbrück
Rheda - Wiedenbrück Kammerchor Münster
trägt das Meier-Requiem bewegend in St. Clemens vor.
Der Totensonntag lädt zum Innehalten ein; dazu das auf Erden
vergängliche Leben zu bedenken, sich die
Auferstehungszuversicht bewusst zu machen: All dies vermögen
nicht nur Verdi , und Fauret in ihren großen
Totenmessen. Auch Erwin E. W. Meier, 1937 geboren und 2007 gestorben,
hat sich mit Hilfe von
Tönen zu Tod und Ewigkeit, zu Verderben und Erlösung
geäußert und ein Requiem
geschaffen, das in der St.-Clemenskirche adäquate Sachwalter
fand.
Zu Gast war der Kammerchor Münster mit seinem Leiter Hermann Kreutz.
Sein Name steht
für kompromisslos reine Stimmkultur. So darf man bei der
Umsetzung der Totenmesse für vier- bis sechsstimmigen. Chor;
Sopransolo, Oboe und Orgel
von einem nachhaltigen, beglückenden Erlebnis sprechen.
In "Introitus", "Kyrie", "Domine, Jesu Christe", Sanctus, "Pie
Jesu", Agnus Dei, "Luxaeterna", "Libera me" und "In
paradisum" verwebt Meier seine Musik mit Anklängen an Musikgrößen wie
Fauré, Pepping, Distler und Duruflé. Mithin hört das Auditorium kantig
anmutende
Quart,- und Quintklänge ebenso wie traditionelle Harmonien.
Die Dramaturgie verzeichnet spannungsgeladene, wuchtige
Momente, etwa den auf gewühlten Chor im
"Libera me", im "Dies illa, dies irae" (Tag des Zorns) ebenso wie
anmutige, überirdische, gleichsam himmlische Momente, etwa die
flehentliche Bitte im "Kyrie eleison" (Herr, erbarme dich) oder das
"Lux aeterna", in dem sich
über funkelnden Zimbel- und Aliquottönen der Solosopran und die
Oboe dialogisch begegnen.
Die Mitglieder des Chores geben sich stimmlich sehr wendig und
durchsichtig, haben eine
Antenne für die Gestaltung eines jeden Tons. Selbiges gilt für Monika
Eder. Die Sopranistin
ist eine Glücksfall, besticht durch ein schlankes Timbre und eine
selbst in dramatischen
Momenten wohltuend schlichte, ungekünstelte Gestaltung.
Ideal ergänzt wird sie durch Jörg-Peter Mittmann an der Oboe, der
bezaubernd sensibel
aus dem Nichts heraus erscheint und angemessen dezent Präsenz zeigt.
Instrumentales Rückgrat
ist Christiane Alt - Epping an der Orgel, die in Jehan Alains
"Litanies" dramatische Momente
schafft und solistisch in Peter Planyavskys "Perpetuum
mobile" aus simplen
Tonrepetitionen ein bewegtes Gebilde schafft, das im pianissimo als
schlichter Einzelton endet.
Was wäre die Darbietung indes ohne Hermann Kreutz.
Geschickt hat er dem Meier-Requiem einen (beinahe im Volkston gehalten)
a - cappella -
Trauermarsch für vierstimmig gemischten Chor von Jozef Swider gegenüber
gestellt. Eine
bewegende Gesamtleistung.
Neue Westfälische,
25.11.2008, Hubertus Ebbesmeyer
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Triumph für Kammerchor und Hermann Kreutz
21.11.2008, Apostelkirche,
Münster
Münster In Münsters
Apostelkirche hatten eher unbekannten Werke ihren großen
Auftritt. Der Kammerchor und
sein Dirigent Hermann Kreutz holten sie aus ihrem Schattendasein.
Die meiste Musik bleibt ungehört, die meisten Bilder
ungesehen, die meisten Bücher ungelesen. Jenseits der
berühmten Werke ist in der Welt für die Kunst ohne
Adelsprädikat kein Platz. Gerade die Musik scheint mit den
Schaffensstunden ihres Schöpfers oft bereits verspielt zu
haben. Der Kammerchor Münster unter
seinem Dirigenten Hermann Kreutz entriss jedoch in der Apostelkirche
mit makelloser Interpretation solche Werke dem unerhörten
Dunkel des Schweigens.
Das Unhörbare Jehan
Alains
Litanies erhielt durch Christiane Alt-Eppings
vielfarbige Registrierung prägnante Kontur, in der sich scharf
wehende Dissonanzen und harmonische Überblendungen spiegelten.
Peter Playavskys Perpetuum mobile schickte
Einzeltöne wie erwachende Vogelstimmen in den Kirchenraum,
bevor der Orgelsatz deren flackernde Intensität wieder
ausdünnte, die Töne verloren sich ins
Unhörbare wie Spuren im Sand.
Im Requiem von
Erwin
E. W. Meier (1937 - 2007) für Sopransolo, Chor, Oboe
und Orgel scheint eine ernüchterte Begeisterung über
Auferstehungsgewissheiten sich Jubelatmosphären zu ersparen.
Der Introitus klang hell und zart,
während Tonalität sich ungefährdet durch
Tonika und
Dominanten schlängelte und Jörg-Peter Mittmann auf
der Oboe expressive Seufzermotive auf melodische Hochbögen
platzierte.
Klangschönes Vibrato
Monika
Eders Sopran erwies sich hier mit strahlkräftigem,
klangschönem Vibrato als i
deales Instrument für einen Solopart, der sich in den
dramatischen wie lyrischen Passagen bis in frostige Höhen
schraubte.
Während die Oboe einen kunstvollen Kontrapunkt spann,
überflügelte der Sopran mit theatralischer Verve alle
düster beschworenen Gefahren der
„Unterwelt“, oder ließ die Stimme des
Individuums inmitten chorischer Vereinnahmung selbstbewusst
auferstehen. In allen Sätzen bewies der Chor tadellose
Intonation, kontrollierte Rhythmik und Feingespür für
suggestive Gestik der Musik. Der Schluss-Choral klang wie ein
unverhoffter Lichtstrahl inmitten zaghafter, ungewisser
Wunschlandschaften. Ein entschiedener Triumph des Dirigenten Hermann
Kreutz!
Münstersche Zeitung,
23.11.2008, Günter Moseler
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Wo Kodály und Fauré durchschimmern
21.11.2008, Apostelkirche,
Münster
Münster In memoriam
Maurice Duruflé steht über dem letzten
Satz des Requiems, das der Detmolder Komponist
Erwin
E. W. Meier 1991 vollendet hat: Duruflé als verehrter
Meister, als Vorbild für die eigene Musik, die jener
Duruflés ähnelt,
stellenweise bis hinein in die Textdeklamation. Dann gibt es Stellen
wie im Kyrie, die nach Rheinberger klingen, im
Libera me schimmert Zoltán
Kodály durch, bei manchen Sequenzen hat ganz klar Gabriel
Faurés Requiem Pate gestanden.
Ein bizarres Puzzle unterschiedlichster Traditionen also –
aber eines, mit dem der Kammerchor
Münster und sein unermüdlicher Dirigent Hermann
Kreutz all seine sängerischen Qualitäten mobilisieren
konnte. Erwin Meiers
Totenmesse stieß in der Apostelkirche auf offene Ohren, denen
das Hören eben wegen der deutlichen Anklänge an, Vorhandenes
leicht gemacht wurde.
Meiers Idee, einer Oboe immer wieder spannungsvolle Dialoge mit Orgel,
Chor und Solo-Sopran anzuvertrauen, gab dem ganzen Stück
besonderen Reiz. So bekam das Agnus Dei etwas
eigentümlich Schwebendes, ausgezeichnet umgesetzt von
Jörg-Peter Mittmann. Sopranistin Monika Eder neigte von Beginn
an im Christe zu einem harten Ton, wurde
metallisch scharf, wo sie doch eigentlich das „Ewige
Licht“ hatte leuchten lassen sollen.
Gewöhnungsbedürftig auch ihr weit schwingendes
Vibrato.
Fabelhaftes vollbrachte Christiane Alt-Epping an der Orgel. Sie behielt
großen Überblick über alles, was Chor und
Solisten gerade taten und lieferte den unverrückbaren
Grundpfeiler für das musikalische Geschehen. Jehan Alains
Litanies“ und Peter Planyavskys
Perpetuum mobile“ fügten sich als
Orgel-Soli gut in den Kontext des Abends.
Doch was passt zu einem Meier-Requiem? Noch ein Requiem! Aber ein
kurzes. Und ein höchst ungewöhnliches noch dazu. Denn
was Józef Swider da aufs Papier gebracht hat, ist nichts
anderes als ein Trauermarsch, wie man ihn sich von einem Orchester
vorstellt. Mit rasselnden Trommeln und Klarinetten, die schluchzende
Melismen spielen. Das alles macht bei Swider der Chor auf Text.
Für Hermann Kreutz und seine in allen Musikstilen geschulten
Chorsängerinnen und -sänger kein Problem.
Groß war der Applaus für einen
atmosphärisch dichten November-Abend.
Westfälische Nachrichten,
23.11.2008, Thomas Hilgemeier
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Akribisch einstudiert, perfekt ausgeführt
21.6.2008, Abteikirche
Marienfeld, Harsewinkel-Marienfeld
Marienfeld ...
In der "Geistlichen Chormusik" in der Abteikirche in
Marienfeld wusste dieser Chor erneut unter seinem charismatischen
Leiter Hermann
Kreutz Anspruch und Wirklichkeit in völliger Kongruenz zu bringen.
Dafür garantieren die akribische Einstudierung ebenso wie die perfekte
Ausführung. Einfühlsam begleiteten Antje Plieg-Oemig, Violone, und
Christoph Grohmann, Orgelpositiv. Auch in diesem Jahr wird der
Kammerchor mit dem in
Marienfeld vorgestellten Programm in fünf polnischen Städten
gastieren. Deshalb verneigte sich der Chor zu Beginn mit dem Hymnus
"Gaude Mater Polonia - Freue
dich,
Mutter Polen" und "Verkünde des höchsten
Königs Wundertagen in nimmermüdem Lob" - der Leitgedanke des Konzertes.
Mit gut 50
Sängern verfügte der Chor über ein opulentes Stimmenpotenzial. Damit
konnte
Kreutz achtstimmige oder doppelchörige Werke interpretieren. Am Anfang
stand
"Lobe den Herrn, meine Seele" von Heinrich Schütz (SWV 39). In diesem
Satz für zwei vierstimmige Chöre machte der Chor die für Schütz
charakteristische Sinnauslegung der Texte deutlich. Nicht weniger
sinnfällig ausgedeutet wurden zwei Motetten aus dem Passionsoratorium
"Das
Sühneopfer des neuen Bundes" von Carl Loewe.
Der Verband
polnische Chöre und Orchester verlieh dem Kammerchor 2007
einen Preis für die beste Interpretation der Chorwerke des polnischen
Komponisten
Joséf Swider. Dessen als Trauermarsch gedeutetes "Requiem aeternam"
zeigte
bei der Gestaltung dieses kompakten Chorwerks die Leistungsvielfalt und
Wandlungsfähigkeit des Chors, die er fortspann in Max Regers
"Der Mensch lebt und besteht nur eine kleine Zeit" aus op. 138,1. Hier
sei
beispielhaft erwähnt wie Kreutz bei zurückgenommener Dynamik einen
Chorklang von satter Fülle und Homogenität erzeugt.
Mit Heinrich
Scheidemanns Toccata in G und Felix Mendelssohn-Bartholdys Präludium
und Fuge in c-Moll, op.
371, rundete Grohmann die Blöcke stilgerecht an der großen Orgel
ab, ehe er mit Praeludium und Fuge in C-Dur /BWV 547) von Johann
Sebastian Bach zum gewaltigen
Finale überleitete: "Singet dem Herrn ein neues Lied" (BWV 225). In
Achtstimmigkeit und als Doppelchor bahnte sich die freudige Stimmung
dieser Motette ihren Weg. Viele Besucher ließen noch lange nach dem
Ende des Konzerts ihre Eindrücke im Kirchenraum ausschwingen.
Die Glocke, 25.06.2008, Bernd
Heumüller
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Konzert: Kammerchor glänzt in Erphokirche
22.6.2008, Erphokirche , Münster
Münster
Es ist ein Kennzeichen des Kammerchors
Münster, Musik jenseits aller populären Kompromisse
zu studieren. Hermann Kreutz ist zudem ein Leiter, der
Ernsthaftigkeit in den Mittelpunkt seiner interpretatorischen Ziele
stellt. Am Sonntag war ein
solches integres Konzert in der Erphokirche zuhören, das
gläubige Musik ohne (klein-)krämerischen Tonfall präsentierte.
Der einleitende Hymnus "Gaude Mater Polonia" wies den
konzertanten Weg zwischen Glaubens- und Kunstfreiheit. Heinrich Schütz'
Motette
"Lobe den Herrn, meine Seele" aus den "PsaImen Davids" wurde in ihren
schwungvollen Partien vom Chor auch in den Höhen schwerelos ausgeführt.
Die
Stimmführungen öffneten sich in dieser Musik wie Flügeltüren des
Herzens.
Die "Toccata in G" von Heinrich Scheidemann verschmäht jeden Pomp.
Christoph Grohmann glitt leicht über zarte Skalen. Zwei
Motetten des Balladenweltmeisters Carl Loewe zeigten
geheimnisvolle Schönheiten melodischer Unmittelbarkeit, die
der Chor mit tadelloser
Intonation und üppigem Klang realisierte. Danach gemahnte
Felix Mendelssohn-Bartholdys klassisch gezähmtes "Präludium
und Fuge" in c-moll op. 37 Nr. 1 an beherrschtes
Unheilsraunen,
dessen Pathos der Organist durch minimale Registerwechsel diskret
ausspielte.
Glockenecho Das "Requiem
aeternam" von Joséf Swider deutete den lateinischen Text im
rhythmischen Marschtempo. Basstöne des Chores pendelten wie
entfernte Glockenechos durch die übrigen Stimmen. Max Regers "Der
Mensch lebt und bestehet nur eine kleine
Zeit" geht schlicht, ohne falsche Fährten ins chromatische
Niemandsland, die beschränkten Aussichten menschlichen Daseins
anvisierend. Der
Chor beendete mit der Bach-Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied"
glanzvoll das
Konzert: In Kreutz' bewegender Interpretation strahlte die
Musik wie ein glückliches Kind.
Münstersche Zeitung,
24.06.2008,Günter MoseIer
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Kammerchor brilliert in Laurentiuskirche
2.März 2008, Laurentiuskirche , Warendorf
Warendorf Besondere
Spuren hinterlässt sie im Alltagsgetriebe nicht, die Passions- oder
Fastenzeit.
Wer ein wenig gegen den Strom schwimmen will und darüber hinaus
vielleicht auch noch ein besonderes musikalisches Erlebnis
sucht, der hatte am späten Sonntagnachmittag in der Pfarrkirche St.
Laurentius eine besondere Gelegenheit. Erfreulich viele
Menschen nutzten sie und fanden sich zur Vespermusik mit dem Kammerchor
Münster dort ein.
Doch noch vor ihm hatte kurz die Königin der Instrumente das erste
Wort, Orgelmusik von Max Reger (1873-1916).
Christiane Alt-Epping hatte sich zunächst "Introduktion und Passacaglia
in d-Moll" ausgesucht, ein dankbares Stück, das mit
volltöniger Einleitung das Thema der "Passacaglia" gleichsam aus dem
Nichts entstehen lässt und sich immer wieder
schöpferisch vom alten Thomaskantor inspirieren lässt. In lichtere,
beinahe romantische Gefilde entführte dann Regers
"Benedictus".
Hauptwerk war aber ohne Zweifel Hugo Distlers Choralpassion für
fünfstimmigen gemischten Chor a cappella und Solisten aus dem
Jahr 1932. Hermann Kreutz als Dirigent wusste wohl, was er seinem Chor
abverlangen durfte.
Es
waren nicht nur die glockenhelle Soprane, die da mehr als einmal
glänzten. Sein Ensemble genügte hohen Ansprüchen, hatte ein
musikalisches Verständnis entwickelt, das es in den Dienst eines Werkes
stellte, das nicht vordergründig "schöne" Musik ist.
Distler kennt und liebt historische Vorbilder, insbesondere Heinrich
Schütz. Er begegnet ihnen aber auf gleicher Augenhöhe,
und das bedeutet Durchdringung, nicht Nachahmung, gewissermaßen eine
produktive Überwindung des "Historismus".
Strophen aus verschiedenen altlutherischen Passionschorälen bilden das
Gerippe, trotz aller musikalischer Zitate aber doch
sehr frei gestaltet. Meditative, betrachtende Musik gibt es nicht. Es
spricht allein der (gekürzte) Bibeltext.
Zwangsläufig vertritt der Chor damit die "Turba", die jüdische
Volksmenge. Breit angelegte Vertonungen gibt es nicht.
Umso erstaunlicher waren die dramatischen Bewegungen, die sich in
knapper Diktion entfalteten. Man denke nur an das erregte
"Wir dürfen niemand töten" oder das düstere "Sein Blut komme über uns
und unsere Kinder".
In die Rolle des Evangelisten schlüpfte der Tenor Nils Giebelhausen.
Weitgehend sang er, hell und geschmeidig,
im Rezitationston, ohne Wortwiederholungen. Das aber schloss
meisterhafte, unaufdringliche Textausdeutung nicht aus,
etwa im "Allda kreuzigten sie ihn".
Einen eher "patriarchalischen" Akzent setzte der Bariton Stefan Adam
als Jesus. Aber auch er hatte weitaus mehr als Volumen
zu bieten, etwa in der Psalmklage der Sterbestunde: "Mein Gott, warum
hast du mich verlassen?"
Nicht ganz so viel übrig blieb für den Bass Gerrit Miehlke, der neben
Judas und dem Schächer vor allem den Landpfleger
Pilatus vertrat. Diese Rolle nutzte er und konnte mehr als einmal auch
dramatische Akzente setzen.
Dieser anspruchsvollen Gesamtleistung versagte das Auditorium die
verdiente Anerkennung. Es war ein meisterhaftes Konzert
und für viele Hörer darüber hinaus sicherlich auch ein Schritt auf
Ostern zu.
Die Glocke, 04.03.2008, Dr.
Ekkehard Gühne
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Todernst in der Tiefe wühlen
1. März 2008, Liebfrauen-Überwasserkirche
Ergreifend: Kammerchor Münster singt
Hugo Distler
Münster
Ein Trauerflor, beinahe in jedem Takt - diese Musik ist karg, berührend
und todernst. So wie der, der sie schrieb: Hugo
Distler. Seine Choralpassion knüpft faszinierend an die
A-cappella-Tradition eines Heinrich Schütz an, und sie ist im
Ausdruck schwer. Wo die Stimmen alle Last allein tragen und der Melodik
feinste Nuancen abgewinnen müssen, braucht es
einen Chor von Format. Einen wie den Kammerchor Münster, der das Werk
unter seinem Leiter Hermann Kreutz in der
Überwasserkirche so sang, wie es sein muss - als tief empfundene
Bekenntnismusik.
Der Komponist mildert musikalisch das Grauen des Passionsgeschehen,
indem er mit wiederkehrenden Choralstrophen ein
lyrisches Gegengewicht setzt: Variationen über die Weise "Jesu deine
Passion". Die Schlichtheit des Ausdrucks,
meditative Trauer und Transparenz des Klanges werden von Kreutz und
seinen Sängern wunderbar getroffen.
Zudem ist Distlers fünfstimmige Polyphonie hier nie so labyrinthisch
gebaut, dass der Kammerchor mit dem Kirchenhall
zu kämpfen hätte. Im Gegenteil: die Akustik wird zum Ausdrucksmittel -
nicht nur, wenn Kaiphas und Pilatus über Jesus
zu Gericht sitzen und vor allem die Soprane sich als Volkes stimme
ereifern. ("Bist du Christus, sage es uns!") Doch
selbst in solchen Passagen wird die Dynamik nicht ins extrem getrieben,
und Distler bleibt auch dem lyrischen Duktus
der Choralstrophen fast bruchlos treu. Scharfe Kontraste sind seine
Sache nicht.
&xnbsp;
Dass der Spannungsfaden dennoch nie reißt, obliegt vor allem dem
Evangelisten. Tenor Nils Giebelhausen wirft sich mit
Emhase in den erzählenden Part und kann auf seine Erfahrung in punkto
Alte Musik sicher bauen. Gerrit Miehlke weiß viel
Schwärze aus seinem charaktervollen Bass zu holen, sei es als Judas
oder als Pilatus ("Bist du der Judenkönig?").
Bariton Stefan Adam schließlich verleiht Jesus seine ungeheuer
kraftvolle Stimme, und das ohne jede Spur von Opfer-Attitüde.
"Mein Gott, warum hast du mich verlasse?", tönt es wie Donnerhall im
Kirchenraum. Ähnlich dräuend, wie Christiane
Alt-Eppings prägnantes Orgelspiel den Abend eröffnet hatte - mit
"Introitus und Passacaglia d-moll" von Max Reger,
einem Meister, der nicht minder todernst in den Tiefen wühlte.
Westfälische Nachrichten,
03.03.2008 Arndt Zinkant
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2007
Viel Beifall für Bruckner
25. November 2007, St.-Clemens-Kirche, Rheda-Wiedenbrück
Rheda-Wiedenbrück -
Zunächst befremdete den
Zuhörer in St. Clemens an einem Totensonntag
die für Brahms ungewöhnlich heitere Choralbearbeitung für Orgel
"Herzlich tut mich erfreuen die schöne Sommerzeit". Doch
der Dichter Johann Walter (1552) hatte die Sommerzeit als Synonym für
Ewigkeit gedacht. Diese steht für das Ende von Leid,
Schmerz und Tod und den Beginn einer paradiesischen Zeit. So war nur
das Orgelprogramm mit Mendelssohn-Bartholdys (1809-1847) Präludium und
Fuge in d-Moll (Op.37,3) und den
Choralbearbeitungen von Brahms (1833-1897) die instrumentale Korrektur
das Begriffs zum bewegenderen Ewigkeitssonntag.
Erschütternde und aufwühlende
Brahmsmotette - Wie meisterhaft gestaltete Harald Gokus
mit schlichtesten
Registrierungen den herben Mendelssohn und die fast doppelchörig
angelegten dichten Sätze von Brahms. - Geradezu erschütternd
und aufwühlend war die dem düsteren d-Moll der Orgelfuge folgende
Brahms-Motette für vier - bis sechsstimmigen Chor
a cappella "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" (Op. 74,1).
Allerdings bedurfte es eines Meisters , diese Musik auch
so zu gestalten, dass aus der Düsternis Hiobs sich "unser Herz samt den
Händen aufheben zu Gott im Himmel". Das kann
glaubhaft ein Hermann Kreutz - der Kirchenmusikdirektor und ehemalige
Leiter des Bachchores Gütersloh.
Anton Bruckners (1824-1897) Messe in e-Moll für achtstimmigen Chor und
Bläser bildete den Höhepunkt der geistlichen Musik.
Dabei hat schon die lateinische Sprache etwas archaisch Erhabenes.
Diese Erhabenheit stützt sich auf eine besondere
Klangstruktur: gregorianisch-psalmodische Einstimmigkeit - streng
polyphone Sätze - homophone, von romantisch flächenhafter
Harmonik geprägte Partien. Den Bläsern der Oper Münster, sattes Blech
plus das gesamte Holz, stand ein etwa 50-köpfiger Chor
gegenüber. Welch eine Wucht entwickelte das Tutti von Chor und
Instrumenten, wenn Kreutz die Steigerung forderte.
Wahrlich kein trister Sonntag -
Welch klare Zartheit leuchtete aber auch noch im Pianissimo. Welch
Extreme
hatte der Chor zu bewältigen: vom hohen Fortissimo -b und -as der
Soprane bis zum satten, warmen piano-Es der Bässe
beim "et homo factus est".
Insgesamt war dieses Sonderkonzert wahrlich kein trister Sonntag für
Tote, sondern eine ergreifende musikalische Feier
trostreicher Ewigkeitshoffnung. Stehend würdigten Hunderte Zuhörer -
das Mittelschiff war gänzlich gefüllt - die Leistung
der Instrumentalisten, des Kammerchores Münster und des 76-jährigen
Hermann Kreutz.
Neue Westfälische, 28.11.2007,
Berthold Böttcher
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Bruckner unter Dampf
24. November 2007, Erphokirche, Münster
Kammerchor Münster begeistert auch mit
pompösen Klängen -
Anton Bruckners e-Moll-Messe für achtstimmigen gemischten Chor und
Bläser ist nicht ganz so eingängig wie andere Chorwerke
des Komponisten. Die exzentrische Mischung aus leisen polyphonen
Sphärenklängen und dynamischen Ausbrüchen ist wohl der
Grund, warum dieses Werk selten aufgeführt wird.
Der experimentierfreudige Kammerchor Münster mit seinem Leiter Hermann
Kreutz nahm sich am Samstag in der Erphokirche
dennoch selbstbewusst dieser Aufgabe an. Und das zur Abwechslung mit
instrumentaler Verstärkung, die in diesem Fall aus den
Reihen der städtischen Bühnen kam.
Gute Herren - Nach sehr
gelungener Einleitung durch die Orgelauftritte von Harald Gokus und die
Brahmsmotette
"Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" (hier noch a-cappella)
waren es dann die wenigen melodisch bemerkenswerten
Szenen Bruckners, die wirklich begeisterten. Und wie es sich für den
Kammerchor gehört, natürlich ab der ersten Note. Wie
schon das anfängliche "Warum" im Brahms kam das Kyrie Bruckners
wunderbar fließend mit viel Sanftmut. Das setzte sich fort,
auch wenn in manchen Passagen die Männerstimmen in Sachen Intonation
und Einsatzwillen am Samstag ihren Kolleginnen den Rang
abliefen.
Solche Details spielten später allerdings kaum noch eine Rolle, als man
in der Vertonung des Jüngsten Gerichts mit einem
gewaltigen "Judicare"-Thema die gemeinsame Stärke demonstrierte. Ab
hier war richtig Dampf hinter der Musik, und je mehr die
Sänger das feine Piano verlassen durften (eigentlich eine große Stärke
des Chores), umso bemerkenswerter wurden sowohl
Interpretation als auch die Umsetzung. Und so erntete der Chor auch auf
diesem ungewohnten Terrain die üblichen stehenden
Ovationen.
Münstersche Zeitung, 26.11.2007,
Stefan Jahnke
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Wie das Farbenspiel alter Kirchenfenster
25. November 2007, Erphokirche, Münster
Kammerchor brilliert mit Bruckner in
der Erphokirche -
Wenn Bruckner, Architekt gotischer Klangkathedralen, seine ersten
Kyrie-Töne wie
Bausteine schichtet, ist Hermann Kreutz, der Klangmagier, in seinem
Element. Dann oszilliert es geheimnisvoll aus jeder
archaischen Zeile dieses dissonanten A-cappella-Beginns, und der
Kammerchor baut eine Spannung auf, wie sie mystischer
kaum tönen kann - ebenso weltentrückt wie das unheimliche
"Warum"-Diminuendo der Brahms-Motette "Warum ist das Licht
gegeben dem Mühseligen", das Kreutz zur großen Bekenntnismusik formte.
&xnbsp;
Wie der kleine Kammerchor zu Beginn von Bruckners e-Moll-Messe den
gregorianischen Geist heraufbeschwört, das erinnert schon
sehr an das hell-dunkle Farbenspiel mittelalterlicher Kirchenfenster.
Bis zum glänzenden H-Dur-Höhepunkt, der aufleuchtet wie eine gotische
Rosette. Und das ganz ohne einen solch opulenten Klangkörper, wie er
einst im Jahre 1869 zur Einweihung einer Votivkapelle am Linzer
Mariendom erklang.
"Sie hab'n 's net mög'n, weil's ihna z' schwer war", soll der
von vielen zähen Proben erschöpfte Bruckner schließlich gestöhnt haben.
Keine Spur von Erschöpfung dagegen beim Kammerchor, der in der
Erpho-Kirche Bruckners spätes Bekenntnis zur Chorpolyphonie der
Renaissancemeister derart sinnfällig machte, dass das Moderne hinter
dieser asketischen Form umso deutlicher wurde.
Von wegen opulente Kathedralenmusik! All jenen, die Bruckner mit
pompösen Klangarchitekturen verbinden, wird beim Kammerchor Münster ein
Damaskus-Erlebnis zuteil: Da erklingt diese außergewöhnliche, für
acht-stimmigen Chor und 15 obligate Bläser gesetzte Messe plötzlich als
intime Kammermusik. Kreutz und seinen Sängern gelingt etwas vom
Höchsten: sie singen nach innen, fast somnambul. Überweltliche Ruhe
kommt da zu Gehör.
Die "Generalbass-Gruppe" der Bläser aus dem Städtischen
Sinfonieorchester nimmt ihre dienende Funktion diskret und
selbstbewusst war - und endlich hören wir Tempi, die nicht so sehr dem
Buchstaben der Notenschrift folgen als vielmehr Bruckners Geist:
breite, niemals schleppende Tempi, im permanenten Sostenuto, mit
Gravitas und Grandezza, trotzdem nicht statisch, Largo und Andante
zugleich.
Gemeinsam kultivieren die Akteure einen in himmlische Längen
gedehnten Gloria-Ausklang, der auch nach seinem Verstummen noch lange
nachklingt, machen die diatonisch aufgetürmten Dissonanzen zur
großflächigen Zerreißprobe, das komplexe Sanctus-Geflecht zur
romantisch gesteigerten Palestrina-Studie, nicht ohne zuvor mit dem "Et
resurrexit" eine beeindruckende Himmelfahrt hinzulegen.
Erst nach seliger Ergriffenheit über den abschließenden "Dona nobis
pacem"-Frieden brandete der Beifall. Mehr als verdient.
Westfälische Nachrichten,
26.11.2007, Markus Küpe
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Glaube ohne Zweifel
17. Juni 2007, Antoniuskirche, Münster
Hermann
Kreutz und sein Kammerchor Münster führten in der Antoniuskirche ein
Programm auf, das keinerlei Konzessionen an gefällige Kirchenmusik
machte.
Nach dem patriotischen "Gaude Mater Polonia" eines Anonymus aus
dem 18. Jahrhundert folgten zwei Stücke von Heinrich Schütz. Im "Das
ist je gewisslich wahr" aus der "Geistlichen Chormusik" trat jede
Stimmlage klar hervor. Das die Dissonanzen und das herbe dieser Musik
in eine versöhnlichen Schlussakkord münden, erschien als logische
interpretatorische Konsequenz.
Schwebender Klang - Der
schwebende
Klang blieb auch in der "Missa brevis" von Felix Mendelssohn-Bartholdy
prägend. Die ins Liedhaft abgemilderte Strenge artikulierte der Chor
mit unaufgeregter, leichter Tongebung. In den hauchdünnen Lüften der
hohen Lagen gelang den Sopranen das ansatzlose Piano tadellos.
Bei Anton Bruckners "Gradualen" glich Kreutz einem
Marionettenspieler, der für jede Stimme die Fäden zog, und gleichzeitig
einem Bildhauer, der mit den Fingern feinste Klänge modelliert.
Bruckners Gesänge strahlten unerschütterliche Glaubenskraft aus, für
jeden Zweifel unerreichbar. Ein grandioser Abend.
Münstersche Zeitung, 20.06.2007,
Günter Moseler
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Wenn selbst das Tristeste spannend klingt
24. März 2007, Liebfrauen-Überwasser-Kirche, Münster
Kammerchor von Hermann Kreutz kochte
auf kleiner Flamme - und überraschte Wie
spannend selbst das Tristeste klingen kann, wenn ein Klangkörper wie
der Kammerchor sich seiner annimmt, ist immer wieder verblüffend. Daran
kann nicht einmal ein Johannes Driessler etwas ändern. Dessen
Passionsgeschichte ist nämlich alles andere als spannend. Seltsam
einförmig schwummern ihre archaischen Bibelworte vor sich hin. Bis die
Büßerbank ihrem Namen alle Ehre macht.
Weil sie aber so vorzüglich gesungen sind , verzeiht man Hermann
Kreutz selbst diesen Versuch einer Ehrenrettung gern. Auch wenn das
fünfstimmig aufgefächerte Ende im Bild der Passionszeit bleibend, als
lang ersehnte Erlösung kam. Denn bis Stefan Adam, die mannhafte Stimme
des gekreuzigten Erlösers, endlich seine verirrten Schafe findet und
das Quodlibet aus Passions-, Oster-, Himmelfahrts- und Pfingstchoral
die Motette bieder beschließen darf, sind schon viele zermürbende
gregorianische Worte gewechselt. Und das schon in den 50er Jahren
unzeitgemäße Opus des Detmolder Komponisten hat längst sein Pulver
verschossen. Asche zu Asche, Staub zu Staub.
Dabei kann es so aufregend klingen, wenn Kreutz auf kleiner
Flamme kocht, wenn er und sein Chor sich der zu Tode betrübten Seele
annehmen und selbst in den größten Schmerz einen Wohlklang legen, der
hoffen lässt, der sich wie Balsam über das besungene Elend legt.
Kuhnaus "Tristis est anima mea" machte es vor. Casals "O Vos Omnes"
führte es fort. Bruckners vier Motetten bekräftigten es einmal mehr.
Hier ruht alles in sich. Alles ist ausgewogen. Nichts, so scheint es,
bringt diesen Chorklang aus dem Gleichgewicht. Da wackelt nichts und
hat trotzdem Luft. Das ist tröstlich. Selbst wenn der lateinische Text
einmal wenig Trost verheißt.
Die tönende Stille die Kreutz hier zaubert ist alles andere als
trist. Mit langem Atem haucht er diesen Werken Odem ein. Mit einer
schlichten Ernsthaftigkeit, die erschütternd ist. Ganz verinnerlicht
die Schmerzensschreie des "dolor sicut dolor meus", wie eine milde
Umarmung das "Amen" des "Ave Maria".
Und dazwischen keucht schweren, schuldbeladenen Schrittes Duprés
"Lamento" die Orgelempore herab, von Ralf Junghöfer in fahle,
geschundene Klänge gekleidet.
Soviel passionszeitlicher Erdenschmerz strengt an. Zum Glück
mischt sich in die zentnerschweren salomonischen Bibelverse von Brahms
"Vier ernste Gesängen" neben der von Adam bedeutungsvoll und bildhaft
ausformulierten Todesnähe des kriechenden, resignierten Menschenviehs
immer auch die versöhnende, von emphatischen Tönen getragene Apotheose
der Liebe. was für ein Lichtblick!
Westfälische Nachrichten,
26.03.2007, Markus Küper
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Der letzte Wonneschauer der Weihnacht
7. Januar 2007, Liebfrauen-Überwasser-Kirche, Münster
Konzert: Kammerchor sang Distler -
So manches
Kinderglück ist im neuen Jahr besonders schön - dem neuen Kindergeld
sei Dank. Und auch dem Kammerchor Münster unter Leitung von Hermann
Kreutz konnte man es nicht verdenken, dass er mit seinem rundum
gelungenen Konzert zur Geburt Jesu am Sonntag in der Überwasserkirche
etwas spät dran war. Allerdings nicht zu spät, denn der Sonntag nach
den Heiligen Drei Königen ist tatsächlich der offizielle Schlusspunkt
der Weihnachtszeit (nach alter Liturgieordnung war es sogar erst Mariä
Lichtmess am 2. Februar).
Hugo Distlers "Weihnachtsgeschichte" op. 10 mit dem gewohnt
diszipliniert agierenden und gut aufgelegten Chor war die Wartezeit auf
jeden Fall wert.
Zunächst wurde jedoch für die nötige Festtagsstimmung gesorgt:
durch Christoph Grohmanns abwechslungsreiches Orgelspiel, vor allem in
der deutschen Erstaufführung von Rebecca Groom te Veldes "Variationen
über ein Thema von Samuel Scheidt" - und durch die schön ineinander
geführten Harmonien in Brahms "O Heiland, reiß die Himmel auf".
Dann legte der Chor mit seinen Solisten Christina Beckmann,
Dorothée Burkert, Nils Giebelhausen und Arne Jungekrüger noch einen
Gang zu. Schließlich wusste man um die heiklen Passagen, die da kommen
sollten Bescheid.
Distlers Chorwerk hat zwischen seinen schwierigen Sopranspitzen
und den friedlich fließenden Strophen von "Es ist ein Ros entsprungen"
keinen wirklich einheitlichen Stil. Gerade die letztgenannten,
harmonischen Passagen wurden jedoch wirklich überzeugend vorgetragen.
Und zwischen den prägnanten, beinahe gregorianisch anmutenden
Rezitativen funkelten die Engelspartien der beiden Sopranistinnen mit
kleinem Vibrato in der Höhe - und sorgten für einen letzten Schauer. Da
war die Zugabe vorprogrammiert.
Münstersche Zeitung, 9.1.2007,
Stefan Jahnke
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Weltentrückt und engelsgleich
7. Januar 2007, Liebfrauen-Überwasser-Kirche, Münster
Kammerchor Münster singt Distlers
Weihnachtsgeschichte -
Wer könnte diesen Stimmen schon widerstehen? Maria alias Dorothée
Burkert sicher nicht. Denn in deren schlichtem Lobgesang auf dem
neunten Psalmton webt sich das flehentliche Gebet der Kammerchores
Münster. So weltentrückt und engelsgleich, als töne es bereits aus
jener besseren Welt, in die er sich zur dritten Choralstrophe des
Weihnachtslides "Es ist ein Ros' entsprungen" so herzzerreißend singt.
Auch wenn solch großartige lyrische Steigerungen in Hugo
Distlers "Weihnachtsgeschichte" die Ausnahme bleiben - Ihren ungetrübt
poetischen Gehalt trifft der Kammerchor von der einleitenden
Spruchmotette bis zur zartmelodischen E - Dur - Apotheose des finalen
"Amen". Kein falscher Ton, kein schriller Laut soll diese intime
Kammermusik für A - cappella - Chor in der Überwasserkirche stören, die
mit ihrer gemäßigt modernen Zusammenklängen doch manchmal sehr viel
mehr erreicht als die sprichwörtlichen Pauken und Trompeten.
Leiter Hermann Kreutz weiß: In diesem schlichten Psalmodieren,
durch das sich die sieben Strophen des bekannten Weihnachtsliedes wie
ein rotes melodisches Band zieht, steht weniger Bach als vielmehr
Schütz Pate. Dessen wortgebundene Klangrede fällt Distler so einfühlsam
mit neuem Leben, dass sich auch die kleinen Turba - Chöre der Engel,
Hirten und Weisen ganz nahtlos in den bukolischen Klang der
Weihnachtsgeschichte fügen. Nils Giebelhausen, der auf vokalen Wohllaut
setzende "Erzähler", unterstreicht dies eindrucksvoll.
Kreutz weiß aber auch, dass bei so viel Schlichtheit der Teufel
allzu gerne im Detail steckt. Also zeigt er mit seinem auf klangliche
Ausgewogenheit getrimmten Klangkörper auch, welch diffiziler Meister
der barocken Figurenlehre dieser Distler war. Wie ein ewiges Echo
deklamiert er Gott zum "Ewigvater", exaltiert rufen die Quarten "Siehet
ein Licht, ein großes Licht", und auch die eifrig
durcheinanderquasselnden Hirten lassen sich erst durch die akkordische
Gewissheit der Worte "und die Geschichte sehen, die da geschehen ist"
beruhigen.
So zaubert der Kammerchor immer wieder geheimnisvolle, fast
märchenhafte Klangwirkungen, die nur noch von Christina Beckmanns
Engelszunge hoch oben von der Orgelempore herab im wahrsten Sinne des
Wortes "getoppt" werden.
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2006
Mit Gabrieli abgehoben
19. November 2006, Liebfrauen-Überwasser-Kirche, Münster
Hermann Kreutz und sein Kammerchor in
Topform -
Für die Kirche ist tonnenweise Musik geschrieben worden, deren
Gläubigkeit zunehmend wirkt wie eine chinesische Mauer. Während die
Qualität der Musik die Zeiten übersteht, verändert sich doch ihre
bekenntnishafte Perspektive. Es war für den "Kammerchor Münster" unter
der Leitung von Hermann Kreutz bezeichnend, dass in seinem grandiosen
Konzert am Sonntag in der Überwasserkiche diese Abdrift kaum
wahrzunehmen war.
Der Chor schwebte nicht - er flog: Bereits in Giovanni Gabrielis
Motette "Jubilate Deo omnis terra" waren die Transparenz des Klanges
bis in hinterste Kirchenbänke hörbar. Kreutz dirigierte als zeichne er
die Klänge an eine große Tafel mit heftig ausschlagenden Haken, Kreisen
und erregten Sinuskurven. Im Chor verwandelte sich diese Gestik in ein
bis ins Detail ausbalanciertes musikalisches Bild. Für Heinrich Schütz'
"Singet dem Herrn ein neues Lied" schien die Wortausdeutung in einem
heliumartigen Klang geborgen. Die oft so heiklen Tenorpartien gelangen
in Palestrinas "Missa Brevis" mit tadelloser Intonation.
Peter Kranefoed hatte mit Michelangelo Rossis chromatisch
eigenwilliger "Toccata Settima" die "Missa" eingeleitet, seine taghelle
Interpretation von Felix Mendelssohns Sonate A-Dur op.62,2 markierte
den klimatischen Wendepunkt.
Dichte Intensität -
Zitterten in
Hinrich Luchterhands Motette "Danket dem Herrn" harmonische Tücken noch
wie Glaubenszweifel, so sang der Chor die Zeile "Wohlauf mein Herz und
all mein Gut" in Hugo Distlers "Ich wollt, dass ich daheime wär" mit
dichter Intensität wie in erdenthobener Hoffnung. Die unerschütterliche
Hoffnung in der bachschen Motette "Ich lasse dich nicht", sang der Chor
mit beschwingter Aufsässigkeit. Die unbedingte Innigkeit der Musiker
begeisterte die Zuhörer und bei der Zugabe - Mendelssohn Motette "Denn
er hat seinen Engeln befohlen" - klopfte einem schon das Herz.
Münstersche Zeitung, 21.11.2006,
Günter Moseler
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Viel Beifall für ein anspruchsvolles Programm
18. November 2006, St. Jakobuskirche, Ennigerloh
Ein erfolgreiches Benefizkonzert hat
der Kammerchor Münster am Wochenende in St. Jakobus Ennigerloh gegeben.
... Dann stellte sich der 33 Stimmen starke Kammerchor mit der
Motette zu acht Stimmen "Jubilate Deo omnis terra" von Giovanni
Gabrieli und der doppelchörigen Motette "Singet dem Herrn ein neues
Lied" aus den Psalmen Davids von Heinrich Schütz den gespannten
Besuchern vor. Begleitet wurde der Kammerchor hierbei durch die
Continuogruppe mit Peter Kranefoed (Positiv) und Peter Spaeth
(Kontrabass).
Makellose, saubere Intonation der Frauenstimmen und
ausgeglichene Männerstimmen zeigten sich den Hörern als dynamischer und
homogener Klangkörper. Die hohen Anforderungen der Werke Schütz und
Gabrieli meisterte der Kammerchor Münster mühelos und reagierte auf
kleinste Zeichen ihres Chorleiters Hermann Kreutz. Mit der Toccata
Settima von Michelangelo Rossi erlebten die Zuhörer Peter Kranefoed
auch als Solist an der Ladegastorgel. Sicherheit, adäquate Spieltechnik
und farbige Registrierung zeichneten sein Spiel aus.&xnbsp;
Die Missa Brevis von Giovanni Pierluigi Palestrina, in einer
Bearbeitung von Joh. Seb. Bach zu sechs Stimmen stand im zweiten Teil
des Abends im Mittelpunkt. Sie leiteten zugleich über zu "Präludium et
Fuge in d" von Joh. Seb. Bach. Hielt Peter Kranefoed das Präudium in
leiser 8- und 4- Fuß Registrierung, wählte er für die Fuge ein
schlankes Plenum, um dem Charakter dieses durchaus kammermusikalischen
Werkes gerecht zu werden.
Der dritte Teil des Programms widmete sich dem Schaffen der
Moderne. Mit der Motette über den 118. Psalm "Danket dem Herrn, denn er
ist freundlich" von Hinrich Luchterhand und "Ich wollt, dass ich
daheime wär" von Hugo Distler zeigte der Kammerchor die ganze Breite
seines stimmlichen und musikalischen Könnens. Auch hier bewies der Chor
sichere Intonation und Stimmführung.
Beeindruckend waren die großen dynamischen Spannungsbögen, die
Hermann Kreutz mit weichen Bewegungen mühelos wie an Fäden aus dem
Kammerchor Münster herauszog. Mit der Fuge in as-Moll von Johannes
Brahms spannte Peter Kranefoed den Bogen zur Romantik. Der Kammerchor
Münster wählte hierfür die achtstimmige Motette "Mitten wir im Leben
sind" von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Peter Kranefoed beschloss mit
Grave Adagio aus der Sonate Nr. 2 in c-Moll ebenfalls von Felix
Mendelssohn-Bartholdy diesen Teil. Gerade im kraftvollen und
grundtönigem Plenum des Grave und dem nachfolgenden Adagio zeigte er
noch einmal die klangtypischen Färbungen dieses romantischen
Instrumentes.
Den Abschluss des Benefizkonzertes bildete die Motette für zwei
vierstimmige Chöre und Basso Continuo "Ich lasse dich nicht, du segnest
mich denn" von Joh. Seb. Bach. Große Sicherheit und Ruhe, auch in
schnellen Passagen, ließen noch einmal das musikalische Können des
Kammerchores Münster aufleuchten. Anhaltender Beifall wurde mit der
achtstimmigen Motette "Denn er hat seinen Engeln befohlen" von Felix
Mendelssohn-Bartholdy belohnt.
Die Glocke, 21.11.2006, gl
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Viele ergreifende Momente
5. März 2006, St. Antoniuskirche, Münster
Hermann Kreutz dirigierte Bachs
Johannespassion
Kaum hat das närrische Treiben ein Ende gefunden, da folgt schon die
besinnliche Fastenzeit. Dementsprechend bereitet man sich (auch
musikalisch) auf die Passionszeit vor.
Besonders schnell und besonders gut geschah das am Sonntag Abend
in der Antoniuskirche. Der Kammerchor Münster lud ein zur
Johannespassion von Barock-Meister Bach. Dass der Abend musikalisch
sehr interessant werden würde, konnte man schon am Eingangschor
ersehen. Am Pult des Orchesters con variazione setzte Hermann Kreutz
immer wieder neue Akzente. Der Altmeister bot ein hellwaches und
lebendiges Dirigat, dem man auch gerne zusah. Um so schöner war, dass
seine Bewegungen auch in akustischen Wohlklang umgewandelt wurden.
Aber es war nicht nur ein rein musikalischer Abend. Vielmehr
hatte man das Gefühl in ein Hörbuch der johanneischen
Passionsgeschichte versetzt zu sein. Tenor Andras Post nahm seine
Partie des Evangelisten sehr ernst: Seinem Vortrag musste man einfach
folgen, so spannend gestaltete er die Rezitative mit mustergültiger
Diktion und legte die Situation dem Publikum dar. Auch die beiden
Basspartien des Jesus und Pilatus waren treffend besetzt: Andreas Wolf
wirkte als Jesus selbstbewusst und besaß gleichzeitig die nötige Ruhe.
Sebastian Noack gestaltete die Bass-Arien mit Autorität und geläufiger
Stimme.
Tempiwechsel Und immer
wieder waren
es die Impulse und aufschreckenden Tempiwechsel von Hermann Kreutz, die
eine packende Handlung vorantrieben. In diesem Rahmen gehörten auch die
Arien und Choräle, die Kreutz deutlich als Kommentare zu den Szenen
auslegte. Und der großartige Kammerchor Münster beherrschte den Wechsel
als anrührender Klangkörper in den Chorälen zu den überschnappenden
Einsätzen des aufgebrachten Volkes.
Der Dramatik von Verhaftung und Verurteilung Jesu war die
eindringliche Ruhe und Betroffenheit nach seiner Kreuzigung
gegenübergestellt. Hier waren die beiden Frauenstimmen von Jutta
Potthoff (Sopran) und Annekathrin Laabs (Alt) gefordert, die sich mit
glänzenden und sensiblen Stimmen empfahlen.
Eine geschlossene Leistung eines hervorragenden Ensembles.
Münstersche Zeitung, 7.3.2006,
Christof Broermann
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Das muss erst mal jemand nachmachen
5. März 2006, St. Antoniuskirche, Münster
Kammerchor singt in der Antoniuskirche
Bachs "Johannespassion"-
Wieder einmal ist Hermann Kreutz der Erste. Mit dem Kammerchor Münster
startet er nur wenige Tage nach Aschermittwoch in die Passionszeit. Und
die Aufführung von Bachs "Johannespassion" am Sonntagabend war kein
Fehlstart.
Die nur etwas kleinere Schwester der Matthäuspassion ist zwar
rund eine Stunde kürzer, dafür aber umso anspruchsvoller für den Chor,
der einen großen Teil der musikalischen Last zu tragen hat. Doch der
lässt sich nicht im Geringsten beirren. Ein ausgewogenes
Klangverhältnis zwischen den Stimmen, hervorragende Aussprache und
hörbar gut einstudierte barocke Artikulation lassen Spannung bis in die
letzten Reihen der voll besetzten Antoniuskirche dringen. Auch bei den
heiklen, direkten Übergängen zwischen den Rezitativen und Chor sind sie
immer präsent. Und die Intonation bleibt selbst bei den zum Teil kühnen
Harmoniefolgen ohne Aussetzer. Das muss ihnen erst mal jemand
nachmachen.
Mit flüssigen, aber nicht überhetzten Tempi, Choralfermaten ohne
viel Schnickschnack und kurzen Begleittönen in den Rezitativen zeigt
Hermann Kreutz einmal mehr wie gut er sich mit Barockmusik auskennt.
Das alles bildet eine mehr als solide Grundlage für die Solisten.
Was für ein Tenor! Mit so klarer Tongebung und Intonation wie
bei Andreas Post hört man barocke Rezitative selten. Ebenso wunderbar
ist Bassist Andreas Wolf, der die Jesuworte singt. Dritter im Bunde der
Männerstimmen ist Sebastian Noack, der die gemeinsamen Rezitative nicht
nur bestens ergänzt, sondern auch die Arien vorzüglich gestaltet. Auf
nicht ganz so hohem Niveau präsentieren sich die Frauenstimmen.
Sopranistin Jutta Potthoff hat in der zügigen Gangart von "Ich folge
dir gleichfalls" Mühe mit dem Tempo, während sich Altistin Annekathrin
Laabs in der tiefen Lage nur schwer durchsetzen kann.
Das kleine "Orchester con varazione" erweist sich als großartige
Stütze. Auch wenn sie mit "normalen" Instrumenten spielen, haben sich
mit Laute, Gambe und Oboe da caccia ein paar Originale dazu gemischt,
die für reizvolle Klangfarben sorgen. Dass die beiden
Viola-d'amore-Partien etwas unsicher ausfallen - Schwamm drüber. Dem
Chor bleibt zu wünschen, dass ihm solch aufwendige Projekte weiterhin
möglich sind.
Westfälische Nachrichten, 7.3.2006,
N. Hellenkemper
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2005
Gezogen, ergriffen, umarmt
16. November 2005, St. Antoniuskirche, Münster
Manche Konzerte sind wie
eine Umarmung. In
ihnen findet die Musik zu sich selbst und der Zuhörer zur Musik. Der
Kammerchor Münster unter seinem Leiter Hermann Kreutz bot in der
Antoniuskirche ein Programm von großer programmatischer Stimmigkeit.
In Johannes Brahms "Drei Motetten" op. 110 für vier- bis
achtstimmigen Chor herrscht disziplinierte Erhabenheit. Bereits mit dem
ersten, von kargen harmonischen Schatten beleuchteten Stück "Ich aber
bin elend" bewies der Chor saubere Intonation, klare Diktion und einen
dynamisch überaus flexiblen Klang. Auch im doppelchörigen dritten Stück
"Wenn wir in höchsten Nöten sein" erhielt sich der natürliche
Sprachduktus und blieben Präzision und Ausdruckskraft interpretatorisch
prägend.&xnbsp;
Für die zwei kleineren Orgelwerke, die Passacaglia e-Moll op.
156 Nr. 11 von Josef Rheinberger und Felix Mendelssohn Bartholdys
d-Moll-Sonate zog Christoph Grohmann bei tadellos klarem Spiel
gedämpfte Register, setzte intime Zeichen musikalischer Demut.
Es waren aber die "Musikalischen Exequien" für sieben Solisten,
Chor und Basso Continuo von Heinrich Schütz, die zum ergreifenden
Ereignis des Abends wurden. Die komplexen Stimmverflechtungen und der
Affektgestus dieser Musik, der mit feinster Schärfe den Text erfasst,
wurden vom Chor vorbildlich gesungen. Auf den Eisflächen der
Traurigkeit zogen chorische Sanftheit und Expressivität mit natürlicher
Ausgewogenheit vorüber. Auch die sieben Gesangssolisten sowie die drei
Instrumentalisten überzeugten. Nach der achtstimmigen Motette "Herr,
wenn ich nur dich habe" schien selbst die Stille mitzusingen.
Hermann Kreutz greift, zieht und gräbt mit beiden Händen nach
den Klängen. Keine Dirigierbewegung aber ist für diesen Dirigenten
derart bezeichnend wie die kreisenden Arme, die plötzlich den Radius
des reinen Klanges zu beschreiben scheinen. Niemand umarmt die Musik
schöner als Hermann Kreutz, und kein Chor singt diese Umarmungen
schöner als der Kammerchor Münster. Langer, von Bewegung getragener
Beifall.
Münstersche Zeitung,
19.11.2005,Günter Moseler
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Polen darf sich freuen
3. Juli 2005, St. Antoniuskirche, Münster
Kammerchor Münster sang Tournee-Konzert
Keine
Kracher, keine bunten Nummern, kein bis an die Grenzen ausgereizte
Dynamik mit wohlberechnetem verschönerndem Raumhall, sondern nur
einfach schiere Musik im schlichten Gewand - der Kammerchor Münster
kann es sich leisten. Wenn dann am Ende "Dona nobis pacem" aus Bachs
"Messe in h-Moll" erschallt, ist ein schönes,
in sich ruhendes Konzert zu Ende.
Dieses Programm, fast weise
gewählt, weil musikalisch stimmig ohne jede Monotonie, wird der
Kammerchor unter Hermann Kreutz in den nächsten Wochen in Polen singen.
Denn schon bald fahren die 35 Sängerinnen und Sänger wieder ins
östliche Nachbarland, um dort Konzerte zu geben und freundschaftliche
Bande aufzufrischen.
Ernst Peppings Chorwerk "Jesus und Nikodemus" klingt gemäßigt
modern. Die Männerstimmen übernehmen den Evangelisten und Nikodemus,
der Gesamtchor erschallt nur bei den Worten Jesu. Zugrunde liegt ein
Text aus dem Evangelium des Johannes, den der Kammerchor musikalisch
sicher und schön textverständlich rüberbringt. Hermann Kreutz hat dabei
immer die musikalischen Fäden in der Hand, und dementsprechend wirkt
auch diese Nummer musikalisch sicher sowie gewollt drängend dort, wo es
sein sollte.
Romantisch, aber nicht gefühlstriefend, kamen zwei Werke aus der
Feder von Richard Bartmuß daher: sanft schwingend mit subtiler Dynamik,
schön nach vorn gesungen und sehr innig. Filigran klang das Kyrie
Dietrich Buxtehudes aus der "Missa Brevis" durch St. Antonius, das
Gloria strahlend hinterher.
Egal aus welcher Epoche die Musik stammt, der Kammerchor scheint
überall gleich gut zu Hause zu sein und seine sich auch mal
zurücknehmenden Interpretationen bestechen durch Können und anmutigen
Charme. Organistin Nina Sandmeier, Renate Vornhusen (Violincello) und
Peter Spaeth (Kontrabass) sorgten zusätzlich für den sicheren Basso
Continuo Part und sehr gelungene Orgelsoli.
Westfälische Nachrichten, 5.7.2005,
Heike Eickhoff
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Aus dem Archiv befreit
18. Februar 2005, St. Antoniuskirche, Münster
Und
wieder hat Dirigent Hermann Kreutz eine Entdeckung gemacht. Richard
Bartmuß heißt der unbekannte Komponist, von dem der
Kammerchor Münster zwei Motetten in seinem Konzert in der
Antoniuskirche präsentierte. Der Dessauer Hoforganist war zu seinen
Lebzeiten (1859-1910) bekannter als heute, seine Orgelstücke werden
allmählich wiederentdeckt, seine Chorwerke schlummern
jedoch weiter in den Archiven.&xnbsp;Vielleicht liegt der Grund
in
der übergroßen Nähe zum Vorbild Felix Mendelssohn. So waren die
beiden Motetten
"Ich
hebe meine Augen auf zu Dir"
und "Vater unser" zwar handwerklich gut gearbeitet, verströmten aber
wenig Eigenes. Sensationell jedoch die Umsetzung durch den Kammerchor.
Mit dem ersten Ton traf er das Ohr und erreichte sofort das
Herz.&xnbsp;Die Wärme ließ das winterfeuchte Wetter vergessen
und
hielt das ganze Konzert über. [...]
Zoltán Kodálys Missa Brevis für Chor und Orgel erlebte ihre
Uraufführung im Krieg im Keller des Budapester Opernhauses. Kodály
scheut sich nicht, die menschliche Stimme an ihre Grenzen zuführen, und
der Chor schonte sich nicht, diese Herausforderung mit Bravour
anzunehmen. Vermissen konnte man nur eine gewisse kompositorische
Stringenz in dem polystilistischem Werk. Die Musik nistet sich trotz
all ihrer Gefälligkeit und der maßvollen Modernismen nicht im Ohr ein,
da mochte der Chor noch so sehr in Technik und Ausdruck sein Bestes
geben: Trotzdem: viel berechtigter Applaus.
Münstersche Zeitung, 22.2.2005,
Dirk Jaehner
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2004
Der erste Bach der Saison
27. November 2004, Erphokirche, Münster
Pünktlich zum 1.Advent startet die berühmteste aller Weihnachtsmusiken
in die Saison: Bachs
"Weihnachtsoratorium".
Und so viel vorweg: Das Niveau, das der Chor unter der Leitung von
Hermann Kreutz am Samstagabend in der Erphokirche vorgelegt hat, muss
erst mal überboten werden. Hermann Kreutz hat seinen Bach studiert, das
merkt man. Flotte Tempi, geschlossene Choräle, keine unnötigen
Ritardandi - so macht Barockmusik Spaß. Die Seccorezitative werden
trotz der gegenteiligen Notation musikalisch korrekt, also endlich mal
mit kurzen Noten begleitet.
Der knapp 40 Personen zählende Kammerchor Münster meistert seine
Aufgabe, die zwischendurch auch in längerem Warten auf den nächsten
Einsatz besteht, mit Bravour. Intonation, Aussprache, Klangmischung
deuten auf beste Vorbereitung. Bestens einstudiert wirkt auch das
Orchester "Con Variazione", das mit Schwung zur Sache geht und bei den
zahlreichen Instrumentalsoli keine Schwächen erkennen lässt. Die
Solisten fügen sich wunderbar in das gesamte Klangbild ein, allen voran
Tenor Andreas Post, der die größte Partie zu bewältigen hat. Neben
extremer Höhensicherheit in den Rezitativen zeigt er in der Arie "Frohe
Hirten", dass er sich auch bestens auf rasend schnelle Koloraturen
versteht. Ebenso höhensicher präsentiert sich die Sopranistin Hedwig
Voss. Die Altistin Annekathrin Laabs bleibt mit ihrer dunkel
timbrierten Stimme auch in tiefer Lage gut verständlich. Ebenso klar
kommt der Bassist Ralf Grobe zur Geltung, der sich trotz schlanker
Stimmfärbung gut durchsetzen kann.
Insgesamt ein rundum gelungenes Projekt des Kammerchores, das am Ende
den verdienten Beifall des Publikums fand.
3.12.2004, Nicolas Hellenkemper
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Kammerchor machte seinem guten Ruf alle
Ehre
...der Kammerchor hatte sich am Sonntagabend in der Apostelkirche der
Musik jüdischer Komponisten angenommen. So weit so gut, vor allem was
die chorisch perfekte Interpretation der Psalmvertonungen von Felix
Mendelssohn Bartholdy betrifft. Der Kammerchor machte seinem guten Ruf
alle Ehre und arbeitete feinste Nuancen der Stimmführung souverän
heraus. Die Spannung, d ie die Sängerinnen und Sänger gerade auch in
den Pianissimopassagen des Psalms 91,11-12
"Denn er hat seinen
Engeln befohlen"
aufbauen, weisen sie als einen Spitzenchor aus. Atem, Artikulation,
Intonation - da stimmt einfach alles, und dem aufmerksamen Zuhörer
jagte ein Schauer nach dem anderen über den Rücken. [...]
Der Höhepunkt blieb dem Kammerchor mit seiner atemberaubenden
Interpretation der Psalme 42 und 43 "Wie ein Hirsch lechzet nach
frischem Wasser" vorbehalten. Nicht die Mendelssohnsche Vertonung war
zu hören, sondern die aus der Feder von Lewandowski. Dem Musiker, der
1840 Chordirektor der Neuen Synagoge Berlin wurde, war es gelungen den
an Mendelssohn orientierten Zeitgeschmack mit der jüdischen Tradition
zu verbinden.
September 2004, Stefan Herkenrath
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Professioneller Anspruch - umwerfender
Klang
21. Juli 2004, Münster
Es gibt Konzerte, da passt einfach alles - von der stimmigen
Programmauswahl bis zur ausgefeilten Darbietung. Weil der Kammerchor
Münster in dieser Hinsicht eine sichere Bank darstellt, ziehen die
Konzerte des Ensembles stets jede Menge Chorfans an. Wie in der
Klosterkirche der Karmeliter, wo der Chor am Mittwoch das Repertoire
für seine nun folgende Konzertreise nach Polen vorstellte. Unter der
Leitung von Hermann Kreutz sang sich das etwa 40-köpfige Ensemble
stilsicher durch fünf Jahrhunderte geistlicher Vokalkompositionen.
Eine glückliche Verbindung von professionellem Anspruch mit
einem umwerfend natürlichen Chorklang. Souverän begleitet wurden die
Sängerinnen und Sänger von Michelett Méndez (Kontrabass), Juan Mellado
(Cello) und Nina Sandmeier (Orgelpositiv). Die Basso Continuo Gruppe
Lieferte sowohl den barocken Motetten als auch Joseph Haydns
Messvertonung "Sunt bona mixta malis" ein sicheres Fundament.
Ein Schwerpunkt des Programms lag auf den Psalmvertonungen
romantischer Komponisten. Getragen von der dankbaren Kirchenakustik
interpretierte der Kammerchor Mendelssohns "Richte mich Gott",
"Jauchzet dem Herrn alle Welt" und "Denn er hat seinen Engeln befohlen"
als musikalische Verkündigung des biblischen Inhalts. Die
Textausdeutung stand auch in der Motete "Ich bin ein rechter Weinstock"
von Heinrich Schütz im Vordergrund: Wie schön sich da die Reben um den
Weinstock herumrankten!
Arvo Pärts Evangelienmotette "Tribute to Caesar" folgt der
biblischen Vorlage auf eine nicht weniger geniale Art. Da gibt es
gediegene Dissonanzen für die scheinheiligen Pharisäer, und ein
trompetiger Strahleakkord auf dem Wort "Caesar" wird mit einer
Klanggloriole um Jesu Worte kontrastiert - äußerst hörenswert. Nina
Sandmeier bereicherte das Chorkonzert um passende, fein artikulierte
Orgelmusik von Bach Johann Rinck und Gaetano Valerj. Standing Ovations
für selbst in Münsters reichhaltiger Chorszene außergewöhnliches
Konzert. Für diejenigen, die immerzu schwarz auf weiss lesen wollen, ob
sie etwas verpasst haben wenn sie nicht selbst im Konzert waren: Die
Antwort lautet in diesem Fall eindeutig "Ja".
23.7.2004, Brigitte Heeke
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