Kontakte zu den Kaschuben geknüpft
Münster - Musik als Völker verbindende Kraft, als Zeichen der Verständigung zwischen den Nationen - diese Idee steht
im Mittelpunkt, immer wenn der Kammerchor Münster sich auf den Weg nach Polen macht. Vor wenigen Tagen kehrten die rund 40
Chorsängerinnen und -sänger aus dem Münsterland von ihrer diesjährigen Tournee durch den Norden Polens zurück. Sechs Konzerte
an sieben Tagen standen auf dem Programm, stets vor einem Publikum, das mit großer Konzentration und Anteilnahme lauschte, ob
im Dom zu Kolobrzegs oder in der Bischofskirche zu Koszalin.
Mit Gioachino Rossinis „Petite Messe Solennelle“ im Reisegepäck gastierte der Kammerchor unter Leitung von Hermann Kreutz wie
schon in den Jahren zuvor im Rahmen internationaler Musikfestivals, knüpfte aber auch neue Kontakte, etwa nach Jastrzebia Gora,
dem von Urlaubern stark frequentierten Ostseebadeort, und nach Wejherowo im Landstrich Kaschubien.
Ihre ganz besondere Prägung erhielt die diesjährige Tournee durch die Verpflichtung polnischer Solisten für die
anspruchsvollen Gesangs- und Instrumentalpartien der Rossini-Messe. Einmal mehr unterstrich der Kammerchor auf diese Weise,
dass es ihm um die gemeinsame künstlerische Arbeit von Polen und Deutschen geht, um die Überwindung von Grenzen und das
gegenseitige Sammeln positiver Eindrücke und Erfahrungen von Freundschaft und Partnerschaft.
Dazu zählt ganz gewiss das Konzert in der Philharmonie in Danzig, das in einer für alle Interpreten überraschenden Form
stattfand: musiziert wurde im Foyer des noch jungen, schräg gegenüber dem berühmten Speicher gelegenen Konzerthauses vor rund
250 Zuhörern, Tausende aber hörten den Kammerchor mit Rossinis „Messe“ unter freiem Himmel im Danziger Hafen - dies die
eindrucksvolle Kulisse für die Open-Air-Übertragung aus dem Foyer zu vorgerückter Abendstunde.
Hier probt der Kammerchor fürs Konzert in dem Örtchen
Recz, in dem
Hermann Kreutz (vorne l.) aufgewachsen ist. Foto: (cws)
Bewegende Momente dann in dem
kleinen Örtchen Recz, in dem Chorleiter Hermann Kreutz einen Teil seiner Kindheit verbracht hat.
Für sein Jahre langes Engagement wurde der Münsteraner vom Bürgermeister der Stadt Recz geehrt, Organist Bogdan Narloch ließ
zuvor die Orgel erklingen, die seit November 2009 auf Initiative von Kreutz als Geschenk an die Kirchengemeinde dort
installiert werden konnte und seitdem für feine Töne in dem altehrwürdigen gotischen Kirchenraum sorgt.
Das Engagement der Sängerinnen und Sänger aus Münster samt ihrem Dirigenten ist ungebrochen, weshalb die Planung zur nächsten
Tournee im kommenden Jahr nicht lange auf sich warten lassen wird, heißt es.
Westfälische Nachrichten 09.08.2010, Chr. Schulte im Walde